4-4-0 Lokomotive von 1852 in 5″Zoll Spur aus Holz

1852: Eine spannende Zeit! Die Zuverlässigkeit der Dampflok führte zu erhöhten Einnahmen der Bahngesellschaften. Als Folge davon entstanden laufend neue Lokfabriken. Innovative Weiterentwicklungen in der Technik waren gefragt. Mein Projekt “Zurück in die Zukunft” ist eine Lok, die noch die aufwendige Hakensteuerung besitzt die gerade von der Stevenson Steuerung abgelöst wurde. Sie sollte den Lokomotivbau bis Anfangs des 20. Jahrhunderts dominieren.Doch davon später.

Wie meistens, beginne ich mit der Herstellung der Räder.

Zwei sechzigjährige Buchenbrettchen, 12mm dick, werden mit Epoxidharz im 90°Winkel zueinander verklebt. Dies ist wichtig, um das verbiegen (Luftfeuchtigkeit!) der Räder in minimalen Grenzen zu halten.

 

Der grob ausgeschnittene Rohling wird zuerst mit dem Stellring 8/16mm versehen. Das Loch muss präzise gebohrt werden.

 

Die Raddicke von 17mm und das Spurkranzprofil auf dem Drehbank bearbeitet worden.

 

Mit der Schablone werden die Speichenausschnitte aufgezeichnet.

Das Rad besitzt ein leicht gekrümmtes Speichenprofil. Die Gegengewichte werden auf der Decupiersäge mit 7° ausgeschnitten. So können sie nach hinten gedrückt werden. Die Lücke vom herausschneiden verschwindet.

 

Nach dem Verkleben der Gegengewichte wird der Rest weggeschnitten.

 

Möglichst wenig wird aufgezeichnet! Dafür muss seriös recherchiert werden. Der Barrenrahmen aus geschmiedeten Eisenprofilen entspricht dem Stand damaliger Technik. Teilweise etwas stärker dimensioniert. Ist schliesslich Holzbau! Trotzdem wirkt er noch sehr fein und zerbrechlich im vorderen Teil. Der doppelte Rahmen mit Distanzbolzen ist ein typisches Merkmal der Lovell Locomotive Works von 1852. 

 

 

Die Achsen bestehen aus 8 mm Drehstahl. Wie bei allen Modellen von mir sind sie Kugelgelagert.

 

Die vordere Antriebsachse mit selbst gedrehten Exzenterkernen. Sie werden mit einer feinen Madenschraube fixiert. Die Hakensteuerung von Lovell besitzt sechs davon!

Erste Stellprobe. Das Drehgestell vorne hat noch den sehr kurzen Radstand aus dieser Zeit.

 

Jede Menge Lagerhülsen und Hebel sind eingebaut worden. Noch fehlen die Hebel zum einstellen. Sie können erst nach dem Bau des Dampfkessels angepasst werden. 

Mir dem Bau dieser vielteiligen Steuerung habe ich mir einen schon lange gehegten Traum erfüllt. 

Die Hakensteuerung nach Lovell:

Ein Mangel der Hakensteuerung war der nicht verstellbare Füllungsgrad. Beim Anfahren ist dies kein Problem. Bei zunehmender Geschwindigkeit aber wirkt der zu grosse Füllungsgrad als Leistungsbremse, da der Flachschieber (Dampfventil des Zylinders) zu lange offen steht. Für die Vorwärtsfahrt konnte man ein sogenannter Cut-off  Schieber zuschalten der einen ebenfalls nur fest eingestellten, kleineren Füllungsgrad bewirkte. Darum haben wir zwei Exzenter mehr. Die Stevenson Steuerung arbeitet mit stufenlos verstellbarem Füllungsgrad und ist viel einfacher aufgebaut. Sie leidet auch weniger unter dem Verschleiss. Darum verschwand die Hakensteuerung Anfang der 1850-iger Jahre rasch.

 

Hier sieht man die Haken, die wechselseitig geschaltet werden können.

Die archaische Bauweise. Ab 1850 werden die Zylinder in Amerika meistens schon Waagrecht montiert. 

Momentan bin ich ab der Fülle der praktisch zu lösenden Probleme etwas überfordert…… 

Der massive Antrieb meines Vehikels. Die ersten dreiachsigen Drehgestelle gab es offenbar schon um 1840. Die älteste, noch existierende Planzeichnung entstand Anfangs der 1850-ziger. Diese Drehgestelle waren schon, wie auch bei mir, mit Ausgleichshebeln der Federung versehen. Noch fehlen einige Details wie Lagergehäuse, Schrauben und Bremsschuhe.

Da die Achsen seitenverschiebbar (enger Radius) sein müssen ist der Rollkettenantrieb (von Conrad) nach wie vor die Beste Lösung und hat sich bei meiner ältesten Lok aus dem Jahr 2000 (!) in weit über hundert Betriebsstunden bewährt. Auch das senkrechte Federspiel ist kein Problem.

Der bärenstarke Torpedomotor (ebenfalls von Conrad) besitzt ein enormes Drehmoment und verbraucht trotz seiner Grösse extrem wenig Strom. Untersetzung 1:40,5.

 

 

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