4-4-0 Lokomotive von 1852 in 5″Zoll Spur aus Holz

1852: Eine spannende Zeit! Die Zuverlässigkeit der Dampflok führte zu erhöhten Einnahmen der Bahngesellschaften. Als Folge davon entstanden laufend neue Lokfabriken. Innovative Weiterentwicklungen in der Technik waren gefragt. Mein Projekt “Zurück in die Zukunft” ist eine Lok, die noch die aufwendige Hakensteuerung besitzt die gerade von der Stevenson Steuerung abgelöst wird. Diese sollte den Lokomotivbau bis Anfangs des 20. Jahrhunderts dominieren.Doch davon später.

Aktueller Stand:

Liebe Modellbauer. Es hat gedauert….. nun ist auch die Art des Vehikels sichtbar geworden…..es geht also um den Bau eines Ur-Triebwagens…. gab es tatsächlich! Einiges jedoch habe ich, wie bei meinen “zurück in die Zukunft Projekten” üblich, nach dem recherchierten Stand der Technik in dieser Zeit gestaltet. Ganz neu ist der riesige Funkenfänger aus dieser Zeit und der Glockenstuhl.

Interessanterweise hat sich die Bauweise der Einstiege von 1850 bis 1900 generell nicht mehr gross verändert.

 

Der viel engere Radius von 312cm der Holzbahn gegenüber der Originalgrösse  bereitete erhebliches Kopfzerbrechen. Für eine Nietenzählerbauweise tödlich….. hier ist ein guter Kompromiss vonnöten. Echter Modellbau heisst für mich, möglichst eine gute Optik (z.B.keine verzerrende Verkürzung) gegenüber dem Original zu verwirklichen. Bei einwandfreien Lauf im praktischen Betrieb.

Die nur eingehängte Seitenleiter kann bequem verstaut werden…. Auch die grossen Dachlüfter sind auf Fotos aus dieser Zeit zu sehen. Wenige Jahre später haben die Wagendächer Oberlichter bekommen. Das Tonnendach verschwindet.

Bilder vom Bauen:

Wie meistens, beginne ich mit der Herstellung der Räder.

Zwei sechzigjährige Buchenbrettchen, 12mm dick, werden mit Epoxidharz im 90°Winkel zueinander verklebt. Dies ist wichtig, um das verbiegen (Luftfeuchtigkeit!) der Räder in minimalen Grenzen zu halten.

 

Der grob ausgeschnittene Rohling wird zuerst mit dem Stellring 8/16mm versehen. Das Loch muss präzise gebohrt werden.

 

Die Raddicke von 17mm und das Spurkranzprofil auf dem Drehbank bearbeitet worden.

 

Mit der Schablone werden die Speichenausschnitte aufgezeichnet.

Das Rad besitzt ein leicht gekrümmtes Speichenprofil. Die Gegengewichte werden auf der Decupiersäge mit 7° ausgeschnitten. So können sie nach hinten gedrückt werden. Die Lücke vom herausschneiden verschwindet.

 

Nach dem Verkleben der Gegengewichte wird der Rest weggeschnitten.

 

Möglichst wenig wird aufgezeichnet! Dafür muss seriös recherchiert werden. Der Barrenrahmen aus geschmiedeten Eisenprofilen entspricht dem Stand damaliger Technik. Teilweise etwas stärker dimensioniert. Ist schliesslich Holzbau! Trotzdem wirkt er noch sehr fein und zerbrechlich im vorderen Teil. Der doppelte Rahmen mit Distanzbolzen ist ein typisches Merkmal der Lovell Locomotive Works von 1852. 

 

 

Die Achsen bestehen aus 8 mm Drehstahl. Wie bei allen Modellen von mir sind sie Kugelgelagert.

 

Die vordere Antriebsachse mit selbst gedrehten Exzenterkernen. Sie werden mit einer feinen Madenschraube fixiert. Die Hakensteuerung von Lovell besitzt sechs davon!

Erste Stellprobe. Das Drehgestell vorne hat noch den sehr kurzen Radstand aus dieser Zeit.

 

Jede Menge Lagerhülsen und Hebel sind eingebaut worden. Noch fehlen die Hebel zum einstellen. Sie können erst nach dem Bau des Dampfkessels angepasst werden. 

Mir dem Bau dieser vielteiligen Steuerung habe ich mir einen schon lange gehegten Traum erfüllt. 

Die Hakensteuerung nach Lovell:

Ein Mangel der Hakensteuerung war der nicht verstellbare Füllungsgrad. Beim Anfahren ist dies kein Problem. Bei zunehmender Geschwindigkeit aber wirkt der zu grosse Füllungsgrad als Leistungsbremse, da der Flachschieber (Dampfventil des Zylinders) zu lange offen steht. Für die Vorwärtsfahrt konnte man ein sogenannter Cut-off  Schieber zuschalten der einen ebenfalls nur fest eingestellten, kleineren Füllungsgrad bewirkte. Darum haben wir zwei Exzenter mehr. Die Stevenson Steuerung arbeitet mit stufenlos verstellbarem Füllungsgrad und ist viel einfacher aufgebaut. Sie leidet auch weniger unter dem Verschleiss. Darum verschwand die Hakensteuerung Anfang der 1850-iger Jahre rasch.

 

Hier sieht man die Haken, die wechselseitig geschaltet werden können.

Die archaische Bauweise. Ab 1850 werden die Zylinder in Amerika meistens schon Waagrecht montiert. 

Momentan bin ich ab der Fülle der praktisch zu lösenden Probleme etwas überfordert…… 

Der massive Antrieb meines Vehikels. Die ersten dreiachsigen Drehgestelle gab es offenbar schon um 1840. Die älteste, noch existierende Planzeichnung entstand Anfangs der 1850-ziger. Diese Drehgestelle waren schon, wie auch bei mir, mit Ausgleichshebeln der Federung versehen. Noch fehlen einige Details wie Lagergehäuse, Schrauben und Bremsschuhe.

Da die Achsen seitenverschiebbar (enger Radius) sein müssen ist der Rollkettenantrieb (von Conrad) nach wie vor die Beste Lösung und hat sich bei meiner ältesten Lok aus dem Jahr 2000 (!) in weit über hundert Betriebsstunden bewährt. Auch das senkrechte Federspiel ist kein Problem.

Der bärenstarke Torpedomotor (ebenfalls von Conrad) besitzt ein enormes Drehmoment und verbraucht trotz seiner Grösse extrem wenig Strom. Untersetzung 1:40,5.

 

 

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